Amöbizide

Amöbizide sind Medikamente, die gegen Amöben (wie Entamoeba histolytica - dem Erreger der Amöbiasis Amöbiasis Amöbiasis) eingesetzt werden. Die Parasiten dringen in den Gastrointestinaltrakt ein, wo sie als Trophozoiten die Darmwand durchdringen und eine invasive Infektion verursachen können. Die Klassifikation der Amöbizide erfolgt danach, wo das Medikament am wirksamsten ist: im Darmlumen oder im Gewebe. Zu den im Darmlumen wirksamen Amöbiziden gehört Paromomycin. Gewebeamöbizide umfassen die Wirkstoffklasse der Nitroimidazole Nitroimidazole Nitroimidazole (z. B. Metronidazol, Tinidazol). Die Behandlung symptomatischer Erkrankungen erfordert in der Regel eine Kombination beider Klassen. Sie wird mit einem Nitroimidazol (typischerweise Metronidazol) initiiert. Danach erfolgt eine Nachbehandlung mit Paromomycin, da die Amöben im Darmlumen weiterhin vorhanden sein können, auch wenn sie in einer parasitologischen Stuhluntersuchung nicht mehr nachweisbar sind.

Aktualisiert: 21.06.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Überblick

Amöbiasis Amöbiasis Amöbiasis

  • Auch als Amöbenruhr bekannt
  • Infektion durch den Parasiten Entamoeba histolytica
  • Übertragung:
    • Fäkal-oral
    • Verzehr kontaminierter Lebensmittel und Wasser
  • Die invasive Infektion ist gekennzeichnet durch:
    • Abdominelle Schmerzen
    • Fieber Fieber Fieber
    • Blutige Diarrhoe
  • Schwerwiegende Komplikationen:
    • Leberabszess
    • Intestinale Fisteln
    • Fulminante Kolitis
Pathogenese von Entamoeba histolytica

Die Pathogenese der invasiven Entamoeba histolytica-Infektion:
In 10 % der Fälle besiedelt E. histolytica die Dickdarmschleimhaut und dringt über die Sekretion von Proteinasen und lytischen Enzymen ein. Dies verursacht zelluläre Nekrose bzw. Lyse der Membranen. Diese Ereigniskette induziert die Apoptose der Schleimhautzellen und unterbricht Tight Junctions zwischen den Zellen, wodurch sich flaschenförmige Geschwüre, Abszesse und Fisteln bilden können. Die Invasion kann das Pfortadersystem erreichen, über das sich E. histolytica auf andere Organe ausbreiten kann.

Bild von Lecturio. Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Klassifikation von Amöbiziden

Zur Behandlung einer Amöbiasis Amöbiasis Amöbiasis wird eine Kombination aus Gewebe- und Luminalamebiziden benötigt.

Luminale Amöbizide:

  • Zerstören Zysten und Trophozoiten im Darmlumen
  • Schlechte Resorption (Arzneimittel verbleibt im Darmlumen)
  • Vertreter: Paromomycin

Gewebeamöbizide:

  • Zerstören Trophozoiten, die in das Gewebe eindringen
  • Gute Resorption (sehr wenig bleibt im Darm zurück)
  • Nitroimidazole Nitroimidazole Nitroimidazole:
    • Metronidazol
    • Tinidazol

Paromomycin

Wirkmechanismus

  • Luminales Amöbizid
  • Aminoglykosid
  • Bindet an die ribosomale 30S-Untereinheit → hemmt die Proteinsynthese
Wirkort für Aminoglykoside Amebizide

Wirkort von Aminoglykosiden, die an die ribosomale 30S-Untereinheit binden
tRNA: Transfer-RNA
mRNA: Boten-RNA

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Pharmakokinetik Pharmakokinetik Pharmakokinetik und Pharmakodynamik

  • Absorption:
    • Schlechte orale Absorption (das meiste verbleibt im Darmlumen)
    • Nur eine kleine Menge wird absorbiert.
  • Ausscheidung:
    • Hauptsächlich über Fäzes
    • Der resorbierte Anteil wird (unverändert) mit dem Urin ausgeschieden.

Indikationen

Nebenwirkungen

Vorsichtsmaßnahmen

Vorsicht ist geboten bei Personen mit:

  • Nierenfunktionsstörung → ↑ Akkumulation und Toxizität
  • Darmverschluss oder ulzerative/entzündliche Darmerkrankung → ↑ Absorption

Nitroimidazole

Medikamente der Wirkstoffklasse

  • Metronidazol
  • Tinidazol

Wirkmechanismus

  • Gewebeamöbizid
  • Nitroimidazole Nitroimidazole Nitroimidazole diffundieren passiv in die Mikrobenzelle.
  • Nitroreduktasen (von anfälligen Organismen produziert) → reduzieren die Nitrogruppe am Molekül
  • Resultiert in der Entstehung von:
    • Freien Radikalen
    • Zytotoxischen Metaboliten → interagieren mit der Wirts-DNA → Strangbruch und Destabilisierung der DNA-Helix
  • Zelltod Zelltod Zellschäden und Zelltod
  • Wirkung:
    • Bakterizid gegen anaerobe Bakterien
    • Wirkt gegen Protozoen

Pharmakokinetik Pharmakokinetik Pharmakokinetik und Pharmakodynamik

  • Absorption:
    • Bei oraler Gabe fast vollständig resorbiert
    • Bioverfügbarkeit > 90 %
  • Verteilung:
  • Stoffwechsel und Ausscheidung:
    • Weitgehend in der Leber Leber Leber metabolisiert
    • Hauptsächlich über den Urin ausgeschieden

Indikationen

Neben anaeroben bakteriellen Infektionen können Nitroimidazole Nitroimidazole Nitroimidazole eingesetzt werden bei:

Nebenwirkungen

  • Verstimmung des Magen-Darm-Traktes
  • Disulfiram-ähnliche Reaktion mit Alkohol (aufgrund der Hemmung der Aldehyd-Dehydrogenase)
  • Dysgeusie (metallischer Geschmack)
  • Periphere Neuropathie
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Krampfanfälle Krampfanfälle Krampfanfälle im Kindesalter
  • Urinverfärbung (rot/braun)

Kontraindikationen

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Quellen

  1. Rosenthal, P.J. (2012). Antiprotozoal drugs. In Katzung, B.G., Masters, S.B., and Trevor, A.J. (Eds.), Basic & Clinical Pharmacology (12th edition, pp. 915–936). https://pharmacomedicale.org/images/cnpm/CNPM_2016/katzung-pharmacology.pdf
  2. Weller, P.F. (2021). Antiprotozoal therapies. In Bogorodskaya, M. (Ed.), UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/antiprotozoal-therapies (Zugriff am 04.09.2021)
  3. Uptodate Lexicomp. (Zugriff am 04.09.2021)
    1. Metronidazole (systemic): Drug information. https://www.uptodate.com/contents/metronidazole-systemic-drug-information
    2. Tinidazole: Drug information. https://www.uptodate.com/contents/tinidazole-drug-information
    3. Paromomycin: Drug information. https://www.uptodate.com/contents/paromomycin-drug-information
  4. Campbell, S., and Soman-Faulkner, K. (2020). Antiparasitic drugs. StatPearls. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK544251/ (Zugriff am 04.09.2021)
  5. Dhawan, V.K., Cleveland, K.O., and Cantey, J.R. (2019). Amebiasis medication. In Bronze, M.S. (Ed.), Medscape. https://emedicine.medscape.com/article/212029-medication (Zugriff am 04.09.2021)
  6. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Ständige Kommission Leitlinien. (S1) Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Amöbiasis“. AWMF-Registriernummer 042/002. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/042-002l_S1_Diagnostik-Therapie-Amoebiasis__2022-05_03.pdf (Zugriff am 18.06.2022)