Fibrozystische Veränderungen (Mastopathie)

Unter fibrozystischen Veränderungen (Mastopathie) versteht man nicht-proliferative Läsionen der Brust, die mit keinem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergehen. Diese Veränderungen sind sehr häufig und können bei bis zu 50–60 % aller Frauen* beobachtet werden (am häufigsten im Alter zwischen 30 und 50 Jahren). Die genaue Pathophysiologie ist nicht abschließend geklärt. Hormonelle Einflüsse durch Östrogen und Progesteron Progesteron Gonadenhormone spielen eine entscheidende Rolle. Betroffene stellen sich typischerweise mit einem oder mehreren Knoten in der Brust und/oder zyklischer Mastodynie vor. Der diagnostische Algorithmus umfasst eine Bildgebung mittels Mammasonografie (ggf. Mammografie) und in seltenen Fällen einer histologischen Sicherung, um ein Malignom auszuschließen. Ein konservatives Vorgehen mit Verlaufsbeobachtung ist in den meisten Fällen ausreichend. Bei ausgeprägter Symptomatik kann eine medikamentöse Therapie erwogen werden.

Aktualisiert: 17.02.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Überblick

Definition

  • Unspezifischer Begriff ohne allgemein anerkannte Definition
  • Bezieht sich auf gutartige Veränderungen der Brust (insbesondere Fibrose und Zysten)
  • Nicht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden

Klassifikation gutartiger Brustläsionen

  • Nicht-proliferative Läsionen
    • Klassische fibrozystische Veränderungen
    • Beispiele:
      • Fibrose
      • Zysten
      • Adenose (↑ Anzahl der Azini pro Läppchen)
  • Proliferative Läsionen ohne Atypien
    • Werden meist nicht zu den fibrozystischen Veränderungen gezählt
    • Leicht erhöhtes Karzinom-Risiko
    • Beispiele:
      • Sklerosierende Adenose
      • Epitheliale Hyperplasie
  • Atypische Hyperplasien
    • Zählen nicht zu den fibrozystischen Veränderungen
    • Verbunden mit einem ↑↑ Krebsrisiko
    • Meist Zufallsbefund bei der Mammografie
    • Histologische Ähnlichkeit zum Carcinoma in situ
    • Beispiele:
      • Atypische duktale Hyperplasie
      • Atypische lobuläre Hyperplasie

Epidemiologie

  • Häufigste gutartige Brustläsion
  • Auftreten bei 50-60 % aller Frauen*
  • Altersgipfel im reproduktiven Alter (30-50 Jahre)
  • Rückgang mit Eintreten der Menopause Menopause Menopause

Ätiologie

  • Abhängigkeit vom Östrogen- und Progesteronspiegel
  • Risikofaktoren:

Pathophysiologie

Anatomie

  • Anteile des Brustgewebes
  • Lobuli = funktionelle, milchproduzierende Einheiten (Abgrenzung durch Cooper-Ligamente)

Pathophysiologie

  • Nicht vollständig verstanden, aber Beeinflussung durch Hormonspiegel
    • Östrogen → Stimulation der duktalen Elemente (einschließlich Adenose)
    • Progesteron Progesteron Gonadenhormone → Stimulation der stromalen Elemente
  • Klassische fibrozystische Veränderungen:
    • Zystische Läsionen:
      • Aus lobulärer Einheit des Ductus terminalis
      • Entstehung durch Dilatation und Obstruktion des efferenten Ganges
      • Häufig in Verbindung mit apokriner Metaplasie
      • Zyklisches Wachstum und Rückbildung bei Schwankung des Östrogenspiegels → zyklische Mastodynie
    • Fibrose:
      • Rupturierte Zysten → chronische Inflammation des Stromas → Stromafibrose
      • Präsentation als Verhärtung bei Palpation
  • Vergleich mit proliferativen Läsionen ohne Atypie:
    • Sklerosierende Adenose
      • Viele Azini und intralobuläre Fibrose → vergrößerte und verzerrte Lobuli
      • Assoziierte Stromafibrose und eingestreute Drüsenzellen
    • Epithelhyperplasie: höhere Anzahl an Epithelzellschichten in den Ductus oder Lobuli

Klinik

Fibrozystische Veränderungen äußern sich bei Frauen* im reproduktiven Alter typischerweise als knotig verändertes oder lokal verhärtetes Brustgewebe.

  • Unscharf begrenzte, diffuse Verhärtung des Brustgewebes
  • Tastbare Knoten in der Brust
    • Singulär oder multifokal (häufiger)
    • Diskret, klar umschrieben, mobil und komprimierbar
    • Berührungsempfindlichkeit und Schmerzen
    • Größe/Anzahl der Läsionen kann während des Menstruationszyklus Menstruationszyklus Menstruationszyklus schwanken
  • Zyklische Mastodynie
    • Vor allem in der Zyklusmitte
    • Spannungs- oder Schweregefühl
  • Symptome meist auf beiden Seiten

Diagnostik und Therapie

Diagnostik

Das Wichtigste ist, benigne fibrozystische Veränderungen von malignen Erkrankungen zu unterscheiden.

  • Mammografie:
    • Bei auffälligen Befunden für Frauen* ab 40 Jahren
    • Runde/ovale Raumforderungen mit klar definierten Grenzen
    • Kann Verkalkungen enthalten
  • Mammasonografie:
    • Auch bei jungen Frauen*
    • Befunde:
      • Echofreie, gut umschriebene, komprimierbare Läsionen
      • Dorsale Schallverstärkung
      • Verdicktes Parenchym
      • Erhöhte Echogenität
    • Suspekte Befunde (diese sprechen eher für ein Malignom):
      • Verdickte Wände
      • Septen
      • Gefäßversorgung
      • Feste oder andere echogene Bestandteile
      • Fehlen einer dorsalen Schallverstärkung
  • Stanz- oder Vakuumbiopsie:
    • Histologische Abklärung verdächtiger Befunde in der Bildgebung
    • Mögliche benigne Befunde sind:
      • Zystische Strukturen
      • Fibrose von Stromagewebe
      • Epitheliale Hyperplasie
      • Apokrine Metaplasie

Therapie

  • Konservatives Vorgehen:
    • Bei leichten Beschwerden
    • Information über Benignität des Befundes
    • Routinemäßiges Mammakarzinom-Screening abhängig vom Alter
  • Schmerzmanagement:
  • Hormonelle Dysbalance:
    • Reduktion oder Absetzen einer postmenopausale Hormonersatztherapie
    • Einsatz oraler Kontrazeptiva
      • Reduktion der zyklisch auftretenden Mastodynie
      • Negativer Feedbackmechanismus für endogene Östrogenproduktion
      • In manchen Fällen ist eine Reduktion der Östrogenkomponente erforderlich.
  • Bei ausgeprägter Symptomatik:

Differentialdiagnosen

  • Fibroadenom Fibroadenom Benigne Läsionen der Mamma: benigne Raumforderung der Brust, bestehend aus Drüsengewebe mit einem bindegewebigem Anteil. Es ist der häufigste benigne Tumor der Brust und tritt überwiegend bei jungen Frauen* auf. Die Raumforderung ist klar begrenzt, indolent, beweglich und von gummiartiger oder derber Konsistenz. Fibroadenome sind Hormon-sensitiv. Je nach Östrogen-Exposition kann es deswegen zu Größenveränderungen kommen. Die diagnostische Abklärung der Raumforderung erfolgt mittels Mammasonografie und ggf. einer Mammografie. Bei diagnostischer Unsicherheit kann eine histologische Aufarbeitung mittels Biopsie erfolgen. Das Vorgehen ist in der Regel konservativ und besteht aus klinischen und sonografischen Verlaufskontrollen.
  • Phylloides-Tumor: seltener fibroepithelialer Tumor, der einem Fibroadenom Fibroadenom Benigne Läsionen der Mamma zwar ähnelt, jedoch aufgrund seines malignen Potenzials eine vollständige chirurgische Exzision mit tumorfreien Schnitträndern erforderlich macht. Die Tumoren werden als benigne, suspekt („uncertain malignant potential“) oder maligne klassifiziert. Histologisch kann eine stromale Überwucherung mit erhöhter mitotischer Aktivität gesehen werden, wobei die suspekten und malignen Tumoren infiltrative Grenzen aufweisen.
  • Galaktozele Galaktozele Benigne Läsionen der Mamma: milchhaltige Retentionszyste in der Brustdrüse; als feste Raumforderung im subareolären Bereich tastbar. Die Diagnosestellung basiert auf der Anamnese und einer Aspiration milchiger Flüssigkeit. Diese Läsionen erfordern keine Exzision. Sie kann aber bei erheblichen Beschwerden erwogen werden.
  • Mastitis Mastitis Mastitis: Entzündung Entzündung Entzündung des Brustdrüsengewebes; kann laktationsbedingt oder nicht-laktationsbedingt sein. Eine Mastitis Mastitis Mastitis tritt am häufigsten bei Frauen* im gebärfähigen Alter auf.
  • Brustabszess Brustabszess Benigne Läsionen der Mamma: Ansammlung von Eiter in der Brustdrüse. In der Regel in Verbindung mit einer Mastitis Mastitis Mastitis während der Stillzeit. Äußert sich klinisch als unilaterale, fluktuierende Raumforderung einer schmerzhaften, erythematösen und ödematösen Brust.
  • Fettgewebsnekrose der Brust Fettgewebsnekrose der Brust Fettgewebsnekrose der Brust: gutartige Raumforderung der Brust, die aus einer Verletzung des Brustgewebes resultiert. Das nekrotische Gewebe wird durch Narbengewebe ersetzt. Öl von degenerierten Fettzellen kann sogenannte Ölzysten ausbilden. Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich.
  • Mammakarzinom Mammakarzinom Mammakarzinom (Brustkrebs): maligner Tumor der Brustdrüse. Die zwei häufigsten histologischen Typen sind das duktale und das lobuläre Karzinom. Die meisten Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung asymptomatisch und werden durch das routinemäßige Screening (Mammografie) entdeckt. Die Diagnosestellung erfolgt mittels histologischer Sicherung durch eine Biopsie. Die Behandlung erfolgt mittels chirurgischer Exzision, Chemotherapie, Radiotherapie und/oder Hormonbehandlung.

Quellen

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