Höhenkrankheit: Symptome & Medikamente

Als Höhenkrankheit bezeichnet man ein Spektrum von Symptomen, die durch physiologische Veränderungen des menschlichen Körpers in Höhen über 2.500 m verursacht werden. Die Höhenkrankheit umfasst die akute Bergkrankheit (AMS, von engl. „acute mountain sickness“), das Höhenhirnödem (HACE, von engl. „high altitude cerebral edema“) und das Höhenlungenödem (HAPE, von engl. „high altitude pulmonary edema“). Eine hypobare Hypoxie ist ein häufiger pathophysiologischer Auslöser. Die Akute Höhenkrankheit und HACE stellen zwei Extreme einer neurologischen Erkrankung dar, deren Symptome von mild bis lebensbedrohlich sein können. Ein Lungenödem Lungenödem Atemwegsobstruktion in großer Höhe ist in erster Linie ein Lungenproblem, dem nicht unbedingt ein AMS oder HACE vorausgeht. Das Risiko der Höhenkrankheit kann durch einen schrittweisen Aufstieg und andere Vorsichtsmaßnahmen, einschließlich Medikamente, verringert werden. Die Symptome der Höhenkrankheit sollten mit einem Abstieg behandelt werden und können ultimativ mit einer hyperbaren Sauerstofftherapie gelindert werden.

Aktualisiert: 28.09.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Akute Höhenkrankheit (AMS) und Höhenhirnödem (HACE)

Was ist die Höhenkrankheit?

Die akute Höhenkrankheit (Englisches Akronym: AMS, acute mountain sickness) ist ein neurologisches Syndrom ohne körperliche Befunde > 6 Stunden nach einem Aufstieg in große Höhe von in der Regel > 2.500 m.

Ein Höhenhirnödem (Englisches Akronym: HACE)  ist eine diffuse Enzephalopathie ohne fokale neurologische Ausfälle. HACE geht immer die akute Höhenkrankheit voraus.

Epidemiologie

  • Da Übergang von AMS zu HACE → gleiche epidemiologischen Zahlen
  • Prävalenz: 40 %–90 % je nach Höhe
  • Risikofaktoren:
    • Höhenkrankheit in der Anamnese
    • Aufstiegsgeschwindigkeit
    • Anstrengung (mangelnde körperliche Fitness ist kein Risikofaktor)
    • Bestrahlung des Halses oder Operation mit Schädigung des Glomus caroticum
    • Alter > 50 Jahre reduziert das Risiko.

Ätiologie

Die gesamte Symptomatik von AMS und HACE steht im Zusammenhang mit Hypoxie. Das Zentralnervensystem (ZNS) ist das empfindlichste Organ gegenüber Hypoxie.

Klinik

Höhenkrankheit (AMS) Symptome:

  • Kopfschmerzen (am häufigsten)
  • Brechreiz
  • Ermüdung
  • Schwindel
  • Insomnia

Die körperliche Untersuchung ist in der Regel unauffällig.

Höhenhirnödem Symptome:

  • Anzeichen:
  • Ergebnisse der körperlichen Untersuchung:
    • Papillenödem
    • ± Netzhautblutung
    • Keine fokalen neurologischen Befunde

Pathophysiologie

  • Der genaue Mechanismus ist noch Gegenstand aktueller Forschung.
  • AMS:
    • Große Höhe → verminderter Sauerstoffpartialdruck im eingeatmeten Gas (hypobare Hypoxie)
    • Hypobare Hypoxie → niedrige arterielle Sauerstoffsättigung Sauerstoffsättigung Grundlegende Verfahren (SPA02 > 90%)
    • Niedriges SPA02 → erhöhter zerebraler Blutfluss:
      • Erhöhter Hirndruck
      • Erhöhte sympathische Aktivität
      • Hypoventilation
      • Flüssigkeitsretention
      • Weitere Beeinträchtigung des Gasaustausches
  • HACE:
    • Wie AMS, jedoch schreitet die Schwellung fort, was zu einem vasogenen Hirnödem führt
    • Schwellungen üben Druck auf das Gehirn aus, was zu Folgendem führt:
      • Papillenödem
      • Diffuse neurologische Symptome
Reversible Hirnanomalien bei Menschen ohne Anzeichen einer Bergkrankheit bei Exposition in großer Höhe

Signifikanter morphometrischer Kantenfluss, der auf eine Schwellung des Gehirnvolumens während der Exposition in großer Höhe (Test 2A) und 2 Monate nach der Rückkehr auf Meereshöhe (Test 3B) im Vergleich zur Grundlinie vor dem Aufstieg in große Höhe (Test 1) hinweist.

Bild: „Reversible Brain Abnormalities in People Without Signs of Mountain Sickness During High-Altitude Exposure“ von Cunxiu Fan et al. Lizenz: CC BY 4.0

Diagnostik

Sowohl AMS als auch HACE werden klinisch diagnostiziert aufgrund von charakteristischen Symptome bei großem Höhenaufstieg.

  • Pulsoximetrie, Vitalparameter und Laboruntersuchungen sind keine nützlichen Marker, da sie oft im Normbereich liegen.
  • Häufige Verwendung des 2018 Lake Louise AMS-Bewertungssystems in klinischen Studien für die Diagnose:
    • Ein Score von ≥ 3 einschließlich Kopfschmerzen gilt als diagnostisch für AMS.
    • In Kliniken kein routinemäßiger Einsatz für die Diagnose, aber nützlich für Screening-Zwecke
Tabelle: Lake Louise AMS-Fragebogen 2018
Kopfschmerzen
  • Keine Kopfschmerzen: 0
  • Leichte Kopfschmerzen: 1
  • Mäßige Kopfschmerzen: 2
  • Starke Kopfschmerzen, handlungsunfähig: 3
Gastrointestinale (GI) Symptome
Müdigkeit/Schwäche
  • Überhaupt nicht müde oder schwach: 0
  • Leichte Müdigkeit oder Schwäche: 1
  • Moderate Müdigkeit oder Schwäche: 2
  • Schwere Müdigkeit oder Schwäche, handlungsunfähig: 3
Schwindel / Benommenheit
  • Kein Schwindel/Benommenheit: 0
  • Leichter Schwindel/Benommenheit: 1
  • Mäßiger Schwindel/Benommenheit: 2
  • Starker Schwindel/Benommenheit, handlungsunfähig: 3
Klinisch funktioneller AMS-Score: Wenn Sie AMS-Symptome hatten, wie wirkten sich diese insgesamt auf Ihre Aktivitäten aus?
  • Überhaupt nicht: 0
  • Symptome vorhanden, aber kein Zwang zur Änderung der Aktivität oder Reiseroute: 1
  • Meine Symptome zwangen mich, den Aufstieg abzubrechen oder aus eigener Kraft abzusteigen: 2
  • Musste auf eine niedrigere Höhe evakuiert werden: 3
Ein Wert von 3 oder höher weist auf AMS hin. Dieser Score wird mehr für die klinische Forschung als für die ärztliche Diagnose angewandt.

Höhenkrankheit vorbeugen: Prävention

  • Ein allmählicher Aufstieg verringert das Risiko für die Höhenkrankheit.
  • Eine Übernachtung in mittlerer Höhe vor weiterem Aufstieg ist empfohlen.
  • Angemessene, aber nicht übermäßige Flüssigkeitszufuhr
  • Acetazolamid-Gabe für Patient*innen mit AMS in der Anamnese oder wenn ein schneller Abstieg erforderlich ist (z. B. Rettungseinsätze)

Therapie

Die wichtigste Therapiemaßnahme der Höhenkrankheit und des Höhenhirnödems besteht im sofortigen Abstieg in niedrigere Höhe. Weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen:

  • AMS:
    • Leicht:
      • Abbruch des Aufstiegs
      • Ausruhen
      • Ultimative Behandlung: Abstieg
    • Mäßig:
      • Sofortiger Abstieg
      • Zusätzlicher Sauerstoff
      • Hyperbare Therapie
  • HACE:
    • Sofortiger Abstieg
    • Tragbare Überdruckkammer (wenn Abstieg nicht möglich ist)
    • Zusätzlicher Sauerstoff

Medikamente gegen Höhenkrankheit:

Höhenlungenödem (HAPE)

Definition

Das Höhenlungenödem (Englisches Akronym: HAPE) ist ein nicht-kardiogenes Lungenödem Lungenödem Atemwegsobstruktion (normale „capillary wedge pressure“), das 2–4 Tage nach Ankunft in großer Höhe auftritt.

Epidemiologie

  • Die Inzidenz liegt je nach Höhe zwischen 0,01 % –15,5 %.
  • Risikofaktoren:
    • HAPE in der Anamnese
    • Schneller Aufstieg
    • Infektion der Atemwege
    • Kalte Temperaturen
    • Anstrengung
    • Vorbestehende kardiopulmonale Anomalien, die zu pulmonaler Hypertonie Hypertonie Arterielle Hypertonie führen

Pathophysiologie

Klinik

  • Symptome:
  • Zeichen:

Diagnostik

Diagramm des Lungenödems

Diagramm eines Lungenödems: Bei HAPE füllen sich die Alveolen mit Flüssigkeit und unterbrechen den korrekten Gasaustausch.

Bild von Lecturio.

Prävention

  • Allmählicher Aufstieg am besten
  • Patient*innen mit HAPE in der Anamnese oder wenn ein schneller Abstieg erforderlich ist (z. B. Rettungseinsätze):

Therapie

  • Sofortiger Abstieg
  • Tragbare Überdruckkammer (wenn Abstieg nicht möglich ist)
  • Ruhe und warme Temperaturen
  • Sauerstofftherapie bis > 90 % Sättigung
  • Nifedipin mit verlängerter Freisetzung

Oft gefragt: Höhenkrankheit

Höhenkrankheit: kurz und knapp 

  • Die Höhenkrankheit ist ein neurologisches Syndrom, verursacht durch die verringerte Sauerstoffversorgung in großen Höhen. 
  • Sie umfasst die akute Bergkrankheit, das Höhenhirnödem, und das Höhenlungenödem. 
  • Ein langsamer Aufstieg mit genügend Zeit zur Akklimatisierung verringert das Risiko der Höhenkrankheit. 
  • Symptome umfassen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Schwindel und Ruhedyspnoe 
  • Die Behandlung besteht möglichst aus dem Abstieg, der Gabe von Analgetika und bei schweren Verläufen hyperbarer Sauerstofftherapie.

Was ist ein Höhenlungenödem? 

Bei einem Lungenödem Lungenödem Atemwegsobstruktion  gelangt Flüssigkeit in die Alveolen der Lunge Lunge Lunge: Anatomie, meist innerhalb von einem bis 4 Tagen nach Aufstieg. Dadurch wird der Gasaustausch behindert und Betroffene leiden unter Atemnot Atemnot Dyspnoe (Atemnot/Luftnot). Das Höhenlungenödem kann auch ohne sonstige Symptome der Höhenkrankheit entstehen.

Höhenkrankheit: Ab welcher Höhe kann sie auftreten? 

Während das Risiko für Höhenkrankheit mit steigender Höhe zunimmt, kann sie bereits bei Höhen von  2500 Metern auftreten. Es ist wichtig, die Symptome zu kennen und die Höhenkrankheit als mögliche Differentialdiagnose bei Unwohlsein in Betracht zu ziehen. 

Was ist die Cheyne-Stokes-Atmung? 

Die Cheyne-Stokes-Atmung kann als unspezifisches Symptom der Höhenkrankheit auftreten, vor allem beim Schlafen. Sie ist charakterisiert durch periodische Veränderungen der Atemtiefe (Hyperventilation und Apnoe wechseln sich ab). 

Kann Höhenkrankheit tödlich sein? 

Schwerwiegende unbehandelte Höhenhirn- und Höhenlungenödeme können tödlich verlaufen. 

Warum ist Akklimatisation wichtig? 

Eine Gewöhnungsphase in mittlerer Höhe ermöglicht es dem Körper, sich an die niedrigen Sauerstoffverhältnisse anzupassen. Damit wird das Risiko, Symptom der  Höhenkrankheit zu entwickeln, deutlich reduziert.

Quellen

  1. Hackett, P. H., & Davis, C. B. (2016). High-altitude disorders. In J. E. Tintinalli, J. S. Stapczynski, O. J. Ma, D. M. Yealy, G. D. Meckler, & D. M. Cline (Eds.), Tintinalli’s emergency medicine: A comprehensive study guide, (8. Auflage). New York, NY: McGraw-Hill Education. accessmedicine.mhmedical.com/content.aspx?aid=1121514038
  2. Roach, R. C. et al. (2018). The 2018 Lake Louise acute mountain sickness score. High Altitude Medicine & Biology, 19(1), 4–6. https://doi.org/10.1089/ham.2017.0164
  3. Luks, A. M., Swenson, E. R., & Bärtsch, P. (2017). Acute high-altitude sickness. European Respiratory Review, 26(143). https://doi.org/10.1183/16000617.0096-2016
  4. Fischer, R. (2014). Höhenkrankheit. Internist 55, 268–273. https://doi.org/10.1007/s00108-013-3368-7
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