Kapillaren

Kapillaren sind Teil der Endstrombahn und ermöglichen den Austausch von Gasen, Nährstoffen und anderen Molekülen zwischen dem Blut und dem umliegenden Gewebe. Als kleinste Blutgefäße ist ihr Durchmesser so klein, dass Erythrozyten Erythrozyten Erythrozyten sie nur hintereinanderweg passieren können. Kapillaren sind in Kapillarbetten organisiert, die ausgedehnte Netzwerke bilden und bei Bedarf von Anastomosen umgangen werden können. Das Blut fließt von den Metaarteriolen in die Kapillaren, gefolgt von postkapillären Venolen und dann Sammelvenolen. Anhand des Aufbaus werden drei Typen unterschieden: kontinuierliche, fenestrierte und diskontinuierliche Kapillaren bzw. Sinusoide. Dysfunktionale Kapillaren sind Folge oder Ursache vieler Erkrankungen.

Aktualisiert: 07.07.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Allgemeine Eigenschaften

Definition

Die Kapillaren sind die kleinsten Blutgefäße. Sie sind die primären Strukturen des Kreislaufsystems, die den Austausch von Gas, Nährstoffen und anderen Molekülen zwischen dem Blut und dem umliegenden Gewebe ermöglichen.

Aufbau

  • Einfache Gefäße, die aus einer einzelnen Schicht Endothelzellen bestehen
  • Durchmesser:
    • Ca. 5 µm Durchmesser am arteriellen Ende
    • Ca. 9 µm Durchmesser am venösen Ende
    • Erythrozyten-Durchmesser von ca. 7 µm → Erythrozyten Erythrozyten Erythrozyten werden hintereinander durch die Kapillaren gepresst
  • Trennung der Endothelzellen vom umgebenden Gewebe durch die Basallamina
  • Umfassung der Kapillaren durch Perizyten – Epithelzellen innerhalb der endothelialen Basallamina, die eine Rolle bei der neurovaskulären Signalübertragung spielen
  • Anordnung in Kapillarbetten – Netzwerken aus 10–100 einzelnen Kapillargefäßen, die von einer einzigen Metarteriole versorgt werden
  • Große Gesamtoberfläche: Geschätzt > 6.300 m²
Querschnitt einer Arteriole

Querschnitt einer Arteriole (links) und einer Kapillare (rechts) mit einem umgebenden Perizyten (Nucleus des Perizyten ist gekennzeichnet)

Bild von Geoffrey Meyer, PhD.

Blutfluss durch und um Kapillaren

  • Blut fließt durch die Arteriolen → Metaarteriolen → Kapillaren in die Kapillarbetten
  • Blut fließt in die postkapillären Venolen → Sammelvenolen
  • Präkapilläre Sphinkter am Übergang zwischen Metarteriole und Kapillaren:
    • Regulierung des Blutflusses in das Kapillarbett
    • Umgehung der Kapillaren bei Sphinkterschluss mit direktem Blutfluss in die Venolen
  • Arteriovenöse (AV)Anastomosen: Gefäße, die die Kapillarbetten umgehen und Arteriolen und Venolen direkt verbinden.
    • Ausbildung von AV-Shunts, bei Schluss der präkapillären Sphinkter
    • Zahlreiches Vorkommen in der Haut Haut Haut: Aufbau und Funktion zur Regulierung der Körperwärme
Kapillarbett

Darstellung von Kapillarbett, Arteriole, Metarteriole und präkapillären Sphinktern

Bild: „Capillary bed“ von OpenStax College. Lizenz: CC BY 3.0

Vorkommen

  • Kapillaren sind die Verbindung zwischen den kleinsten Arterien Arterien Arterien (Arteriolen) und den kleinsten Venen Venen Venen (Venolen).
  • Vorkommen im Umkreis von 60–80 µm praktisch jeder Zelle des Körpers
  • Vorkommen von Kapillarbetten in allen Geweben außer:
    • Knorpelgeweben
    • Epithelien
    • Cornea und Augenlinse
  • Sehnen und Bänder verfügen über einige Kapillaren, aber über viel weniger als die meisten anderen Gewebe.

Physiologie

  • Funktionen:
  • Austauschmechanismen:
    • Transzytose/Pinozytose: Endozytotische Aufnahme von Stoffen in Vesikeln in die Endothelzellen, Transport durch die Zelle und Freisetzung auf der anderen Seite
    • Filtration und Reabsorption: Abhängig von hydrostatischen und onkotischen Druckverhältnissen
  • Effektiver Filtrationsdruck:
    • Relativ höherer hydrostatischer Druck in den Arteriolen presst Flüssigkeit, Nährstoffe und anderes Zellmaterial in das umgebende Gewebe.
    • I. d. R. keine Passage von Plasmaproteine durch die Kapillarwände → onkotischer Plasmadruck am venösen Ende der Kapillare erhöht
    • Relativ höherer onkotischer Druck in den Venolen ermöglicht die Reabsorption in die Gefäße
Starkräfte innerhalb einer Kapillare

Stoffaustausch in der Endstrombahn:
Hydrostatische und onkotische Druckverhältnisse bestimmen den Stoffaustausch

Bild: „Net filtration“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Kapillartypen

3 Haupttypen von Kapillaren:

  1. Kontinuierliche Kapillaren
  2. Fenestrierte Kapillaren
  3. Diskontinuierliche Kapillaren / Sinusoide
Arten von Kapillaren

Arten von Kapillaren

Bild : „Types of capillaries“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Kontinuierliche Kapillaren

Kontinuierliche Kapillaren sind die häufigste Art von Kapillaren.

Kontinuierliche Kapillaren

Schematische Darstellung einer kontinuierlichen Kapillare

Bild: „Kontinuierliche Kapillaren“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Fenestrierte Kapillaren

Fenestrierte Kapillaren sind wichtig in Organen, die eine schnelle Resorption erfordern oder eine hohe Stoffwechselaktivität aufweisen.

  • Struktur:
    • Fenestrierung der Kapillarwand durch Poren mit durchgehender Basallamina
    • Porendurchmesser von etwa 20–100 nm
    • Ermöglichen des Transportes kleiner Moleküle und Zurückhalten von Proteinen und größeren Molekülen im Blutgefäß
  • Primärer Transportmechanismus: Filtration
  • Vorkommen:
    • Nieren Nieren Niere
    • Endokrine Drüsen (z. B. Bauchspeicheldrüse)
    • Darmtrakt
Gefensterte Kapillaren

Schematische Darstellung einer fenestrierten Kapillare

Bild : „Fenestrated capillaries“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Diskontinuierliche Kapillaren / Sinusoide

Diskontinuierliche Kapillaren erlauben die Passage größerer Proteinen und ganzer Zellen.

Sinusoide Kapillaren

Schematische Darstellung einer sinusförmigen Kapillare

Bild : „Sinusoid capillaries“ von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Klinische Relevanz

Thrombotische Mikroangiopathien

Thrombotische Mikroangiopathien (TMA) sind Erkrankungen, die durch Anomalien in den Gefäßwänden von Arteriolen und Kapillaren gekennzeichnet sind und zu mikrovaskulären Thrombosen führen. Die häufigsten TMA sind die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) und das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Auch einige Medikamente können eine TMA auslösen.

Erhöhter hydrostatischer Druck in den Kapillaren

Jeder Zustand, der den Blutfluss behindert, kann zu einem Anstieg des hydrostatischen Drucks in den Gefäßen führen, der schließlich auf die Kapillaren übertragen wird. Eine Erhöhung des hydrostatischen Drucks innerhalb der Kapillaren beeinflusst den Stoffaustausch, sodass Flüssigkeit und andere Stoffe vermehrt in das umliegende Gewebe gepresst werden. Mögliche Ursachen sind:

  • Herzinsuffizienz: Unfähigkeit des Herzens, einen ausreichenden Blutfluss herzustellen. Typische Symptome sind eine Dyspnoe Dyspnoe Dyspnoe (Atemnot/Luftnot) bei Belastung und/oder in Ruhe, Orthopnoe Orthopnoe Atemwegsobstruktion und periphere Ödeme. Da das Blut nicht effektiv aus dem Herzen gepumpt wird, steigt der Druck im venösen Kreislauf, sodass es zu einem venösen Rückstau kommt (Rückwärtsversagen). Das Basisdiagnostikum ist die Echokardiografie.
  • Leberzirrhose Leberzirrhose Leberzirrhose: Spätstadium vieler chronischer Lebererkrankungen mit Zerstörung der Gewebearchitektur und Fibrosierung. Chronische Zellschäden Zellschäden Zellschäden und Zelltod verursachen eine Zerstörung der normalen Gewebearchitektur, was zu einer Beeinträchtigung des normalen Blutflusses durch die Leber Leber Leber führen kann. Die häufigsten Ursachen einer Leberzirrhose Leberzirrhose Leberzirrhose sind chronischer, übermäßiger Alkoholkonsum, Virushepatitiden und die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH). Eine dekompensierte Leberzirrhose Leberzirrhose Leberzirrhose manifestiert sich u. a. durch Ikterus Ikterus Ikterus, Aszites Aszites Aszites, portale Hypertension Portale Hypertension Portale Hypertension und/oder Leberversagen.
  • Tiefe Beinvenenthrombose (TVT): Verschluss einer tiefen Vene durch eine Thrombose, der am häufigsten im Wadenbereich auftritt. Es können die Femoral-, Popliteal-, Iliofemoral- oder Beckenvenen betroffen sein. Distal der TVT steigt der hydrostatische Druck an und führt zu Ödemen und Schmerzen. Diagnostischer Goldstandard ist die Kompressionssonografie, therapeutisch werden antikoagulative oder rekanalisierende Maßnahmen ergriffen.

Verminderter onkotischer Druck

Ein verringerter onkotischer Kapillardruck (normalerweise aufgrund eines Albuminverlusts) führt zur Kapillarleckage, da die Flüssigkeit nicht in den Kapillaren gehalten werden kann. Ursachen einer Hypoalbuminämie umfassen:

  • Nephrotisches Syndrom Nephrotisches Syndrom Nephrotisches Syndrom: Kombination aus schwerer Proteinurie, Hypalbuminämie, Ödemen und Hyperlipidämie. Zur Diagnosesicherung ist eine Nierenbiopsie erforderlich. Die Behandlung variiert je nach Ätiologie.
  • Leberzirrhose Leberzirrhose Leberzirrhose (s. o.): Schwere Lebererkrankungen können zu einer Abnahme der Albuminsynthese führen.

Erhöhte Kapillarpermeabilität

Eine erhöhte Kapillarpermeabilität kann auch unabhängig von Änderungen der hydrostatischen oder onkotischen Druckverhältnisse vorliegen. Ursächlich ist dies oft auf die Freisetzung von proinflammatorischen Zytokinen zurückzuführen. Mögliche Ursachen umfassen:

  • Sepsis Sepsis Sepsis und septischer Schock: Organdysfunktion aufgrund einer fehlregulierten, systemischen Reaktion auf eine Infektion. Die systemische Freisetzung von Entzündungsmediatoren führt zu einer Aktivierung von Endothelzellen und einer Steigerung der Kapillarpermeabilität. Eine Sepsis Sepsis Sepsis und septischer Schock führt auch zu einer signifikanten Abnahme funktionierender Kapillaren (wahrscheinlich aufgrund einer Kompression durch umgebendes, ödematöses Gewebe) und zu einer Obstruktion der Kapillaren durch Erythrozyten Erythrozyten Erythrozyten, die ihre Verformbarkeit verlieren.
  • Angioödem Angioödem Angioödem: Lokal begrenztes, selbstlimitierendes, potenziell lebensbedrohliches, asymmetrisches Ödem, das in den tiefen Schichten der Haut Haut Haut: Aufbau und Funktion und der Schleimhäute auftreten kann. Ursache sind oft Entzündungsmediatoren, die eine signifikante Vasodilatation und eine erhöhte Kapillarpermeabilität auslösen. Angioödeme können Schwellungen an Augen, Lippen, Zunge Zunge Mundhöhle: Lippen und Zunge, Mund, Darmwand, Extremitäten oder Genitalien bedingen. Darüber hinaus können die Atemwege verengt sein.
  • Kapillarlecksyndrom: Seltene Erkrankung, die durch Episoden schwerer Hyptension, Hypoalbuminämie und Hypovolämie gekennzeichnet ist. Die Ätiologie ist unbekannt. Die Klinik resultiert aus einem generalisierten Austritt von proteinhaltiger Flüssigkeit aus den Kapillaren und einer Retention größerer Moleküle in die Gefäße.

Andere klinische Zustände im Zusammenhang mit abnormalen Kapillaren

Quellen

  1. Taylor, A.M., and Bordoni, B. (2021). Histology, blood vascular system. In StatPearls. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK553217/ (Zugriff am 26. April 2021)
  2. Saladin, KS, Miller, L. (2004). Anatomy and physiology. (3. Aufl., S. 750–752).
  3. Moore, KL und Dalley, AF (2006). Clinically oriented anatomy. (5. Aufl., S. 44).
  4. Lüllmann-Rauch R, Asan E. (2019). Taschenlehrbuch Histologie. Ed. 6. Vollständig überarbeitete Auflage. Thieme. doi:10.1055/b-006-163361
  5. Suttorp N, Möckel M, Siegmund B, Dietel M. (2020). Harrisons Innere Medizin. Ed. 20. Auflage. ABW Wissenschaftsverlag. doi:10.1055/b000000107
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