Zellschäden und Zelltod

Zellen reagieren auf Schädigungen mit einer Vielzahl von Veränderungen, die unter Umständen zum Zelltod führen können. Schädliche Reize lösen zelluläre Anpassungsreaktionen aus, damit die Zellen den veränderten Anforderungen der Umgebung standhalten können. Bei überforderten Anpassungsmechanismen kommt es jedoch zu Zellschädigungen. Durch leichte Reize entstehen meist reversible Verletzungen. Stärkere oder anhaltende Reize können allerdings irreversible Zellschäden verursachen. Betroffene Strukturen sind insbesondere die Zellmembranen, Mitochondrien, die Proteinbiosynthesemaschinerie und die DNA DNA Die Desoxyribonukleinsäure – Aufbau, Struktur und verschiedene Arten der DNA. Verschiedene zelluläre Anomalien, die aus den Zellschäden resultieren, führen letztendlich zum Zelltod. Zu unterscheiden sind Nekrose und Apoptose. Nekrose beschreibt einen unkontrollierten Zelltod, der durch pathologische Entzündungsreaktionen gekennzeichnet ist. Apoptose ist der programmierte Zelltod, der sowohl physiologisch als auch pathologisch von großer Bedeutung ist.

Aktualisiert: 29.08.2023

Redaktionelle Verantwortung: Stanley Oiseth, Lindsay Jones, Evelin Maza

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Überblick

Definitionen

  • Homöostase:
    • Gleichgewichtszustand
    • Optimaler Funktionszustand der Zelle, bei dem alle physiologischen Anforderungen erfüllt werden
  • Zelluläre Anpassung Zelluläre Anpassung Zelluläre Anpassung: reversible Veränderungen der Zellstrukturen oder -funktionen als Reaktion auf Veränderungen in der Umgebung der Zelle

Zellschäden

  • Zellschäden treten auf, wenn die maximale adaptive Reaktion auf physiologische oder pathologische Reize überschritten wird, da die Anpassungsfähigkeit von Zellen begrenzt ist.
  • Ursachen sind schädliche Reize, Verlust wichtiger Nährstoffe oder Mutationen.
  • Faktoren, die die Zellschädigung beeinflussen:
    • Art, Dauer und Schwere der Schädigung
    • Zelltyp und Anpassungsfähigkeit
    • Mechanismus der Zellschädigung
  • Arten von Zellschäden:
    • Reversible Zellschäden
    • Irreversible Zellschäden (führt zum Zelltod)
  • Mechanismen der Zellschädigung (können gleichzeitig auftreten):
    • Mitochondriale Schäden
    • Störung der Calciumhomöostase
    • DNA-Schäden
    • Membranschäden
    • Stress des endoplasmatischen Retikulums (ER)
    • Oxidativer Stress

Zelltod

  • Zustand, in dem die Zelle keine Funktionen mehr ausführt
  • Von Bedeutung bei der Embryogenese, Organentwicklung und Aufrechterhaltung der Homöostase → Entfernung beschädigter und nicht benötigter Zellen
  • Folge irreversibler Verletzung (Zellschäden können nicht behoben werden)
  • Formen des Zelltods:
    • Apoptose
    • Nekrose
Zelluläre Reaktion auf Stress und Verletzungen

Zelluläre Reaktion auf Stress und Verletzungen

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Ätiologie und Arten von Zellschäden

Schädliche Reize

Arten von Zellschäden

  • Reversible Zellschäden:
    • Leichte oder vorübergehende Schädigung
    • Nach Beseitigung der schädlichen Reize oder nach Wiederherstellung ausreichender Versorgung kehrt die Zelle in einen stabilen Zustand zurück.
    • Merkmale:
      • Zellschwellung durch Wassereinstrom (früheste Manifestation einer Zellschädigung)
      • Hydropische Veränderung oder vakuoläre Degeneration: kleine, klare Vakuolen im Zytoplasma (aus ausgedehntem ER)
      • Veränderungen der Plasmamembran (Blasenbildung, Abstumpfung, Verlust von Mikrovilli)
      • Mitochondriale Schwellung und Ansammlungen von amorphem Material
      • ↑ Myelin im Zytosol Zytosol Die Zelle: Zytosol und Zytoskelett (Phospholipide aus beschädigten Membranen)
      • Veränderungen im Zellkern (Auflockerung und Zerfall granulärer und fibrillärer Elemente)
      • Zellverfettung durch Ansammlung von Lipidvakuolen (in Organen, die am Fettstoffwechsel Fettstoffwechsel Fettstoffwechsel beteiligt sind)
  • Irreversible Zellschäden:
    • „Point of no Return“: Zellfunktion kann nicht wiederhergestellt werden → Zelltod
    • Schwere und/oder anhaltende Schädigung
    • Merkmale:
      • Irreversible mitochondriale Dysfunktion (Verlust der oxidativen Phosphorylierung und der Synthese von Adenosintriphosphat (ATP))
      • Erhebliche Schädigung der Membranfunktion

Zellschäden durch mitochondriale Schädigung

Mitochondrien

  • Hauptsyntheseort von Adenosintriphosphat (ATP)
  • ATP:
    • Energieträger in anabolen und katabolen Prozessen
    • Quellen:
      • Oxidative Phosphorylierung von Adenosindiphosphat
      • Glykolyse Glykolyse Glykolyse (anaerob)
  • Zielstruktur schädigender Stimuli

Folgen von mitochondrialen Schäden

  • Adenosintriphosphat (ATP)-Mangel: Permiabilitätserhöhung der Mitochondrienmembran Reduktion des Membranpotentials → Hemmung der oxidativen Phosphorylierung und ATP-Synthese
  • Folgen des ATP-Mangels:
    • Hydropische Zellschwellung: Ausfall der Natrium-Kalium-Pumpe (Na⁺/K⁺-ATPase) → Natrium dringt in die Zelle ein → Wassereinstrom
    • Reduzierte zytosolische Enzymaktivität: Glykogenolyse Glykogenolyse Glykogenstoffwechsel und Glykolyse Glykolyse Glykolyse zum Ausgleich des ATP-Mangels → Ausschöpfung der Glykogenspeicher → ↑ Lactat und anorganische Phosphate → ↓ intrazellulärer pH-Wert → Funktionsbeeinträchtigung der Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme
    • Reduzierte Proteinbiosynthese: Dissoziation der ribosomalen Untereinheiten
  • Beeinträchtigung der oxidativen Phosphorylierung: Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (freie Radikale) → Lipid-, Protein- und Nukleinsäureschäden
  • Apoptose / Zelltod: Freisetzung proapoptotischer Proteine Proteine Proteine und Peptide (z. B. Cytochrom c) führt zu Schädigung der Zellorganellen
Mitochondriale Mechanismen

Folgen mitochondrialer Schädigung durch schädliche Reize (z. B. Strahlung, Toxine):
Unten links: Einleitung der Apoptose durch Freisetzung proapoptotischer Proteine aus den Mitochondrien.
Oben rechts: Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) bei unvollständiger oxidativer Phosphorylierung. Schädigung von Membranen, Proteinen und der DNA.
Unten rechts: ATP-Mangel führt zu Zellschwellung, reduzierter Enzymaktivität und verminderter Proteinbiosynthese.
Alle Prozesse bedingen eine schwere Zellschädigung mit folgender Nekrose.

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Zellschäden durch gestörte Calciumhomöostase

Calciumhomöostase

  • Intrazelluläres Calcium (Ca²⁺): normalerweise niedrig (Speicherung in den Mitochondrien und im ER)
  • Häufige schädliche Reize:
    • Sauerstoffmangel / Ischämie
    • Giftstoffe

Folgen einer gestörten Calciumhomöostase

  • Freisetzung von Ca²⁺ aus intrazellulären Speichern und ↑ Ca²⁺-Einstrom durch die Plasmamembran
  • ↑ Calcium → Öffnung der mitochondrialen Permeabilitätsübergangspore (Englisches Akronym: mPTP) → ATP-Mangel
  • Erhöhtes Ca²⁺ aktiviert Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme, die Zellschäden verursachen:
Mechanismen Kalzium

Auswirkungen einer gestörten Calciumhomöostase:
Durch schädliche Reize wird Calcium aus dem Mitochondrium und dem endoplasmatischen Retikulum freigesetzt.

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Zellschäden durch DNA- und Membranschäden

DNA-Schäden

  • Häufige schädliche Reize:
    • Strahlung
    • Chemotherapeutika
    • ROS
  • Teil des Alterungsprozesses

Folgen geschädigter DNA DNA Die Desoxyribonukleinsäure – Aufbau, Struktur und verschiedene Arten der DNA

  • Auslösung des p53-Signalwegs: Arretierung des Zellzyklus Zellzyklus Zellzyklus in der G1-Phase und Aktivierung von Reparaturmechanismen
  • Apoptose:
    • DNA-Schäden können nicht durch Reparaturmechanismen behoben werden.
    • Schutz des betroffenen Gewebes (Zelltod verhindert maligne Transformation der genetisch veränderten Zelle)
DNA-Schädigung aktiviert p53

DNA-Schäden aktivieren p53, das Zellen in der G1-Phase arretiert und DNA-Reparaturmechanismen auslöst. Bei irreparablen Schädigungen löst p53 die Apoptose aus.

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Membranschäden

  • Normale Membran: aus Lipiden (hauptsächlich Phospholipide)
  • Häufige schädliche Reize:
    • Bakterielle Infektion (Toxine)
    • Virale Proteine Proteine Proteine und Peptide
    • Komplementabhängige Zytolyse
    • Physikalische / chemische Noxen
    • Ischämie
  • Gemeinsame Wirkung mit weiteren Mechanismen verursacht Membranschäden:
    • Freie Sauerstoffradikale → Lipidperoxidation → Phospholipidverlust
    • Mitochondriale Schäden → ATP-Mangel → verminderte Phospholipidsynthese
    • Calciumabhängige Phospholipasen → Phospholipidabbau → Membranverlust
    • Calciumabhängige Proteasen → Schädigung des Zytoskeletts → Zellschwellung und Membranruptur

Folgen von Membranschäden

  • ↑ Permeabilität der Plasmamembran → Einstrom von Flüssigkeiten und Ionen sowie Verlust des osmotischen Gleichgewichts der Zellen
  • Verletzung lysosomaler Membranen → lysosomale Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme zerstören zytoplasmatische Organellen Organellen Die Zelle: Organellen
Mechanismen Membran

Entstehung von Membranschäden:
Ein schädlicher Reiz (oben links) führt zu gestörten Transportfunktionen. Der schädliche Reiz wirkt sich auch auf die lysosomalen Membranen aus, wodurch Enzyme austreten, die die Zelle schädigen.
Weitere Mechanismen: Gestörte Calciumhomöostase (oben rechts) führt zur Freisetzung von Enzymen, die die Membran abbauen; Mitochondriale Dysfunktion (unten links) reduziert die ATP-Synthese, die für die Membransynthese essenziell ist.
Reaktive Sauerstoffspezies (unten rechts) verursachen eine Lipidperoxidation, die zum Verlust von Membranphospholipiden führt.

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Zellschäden durch Stress im ER

Endoplasmatisches Retikulum

  • Ort der Proteinbiosynthese, Proteinfaltung, Lipidsynthese und Calciumspeicherung
  • Chaperone: Kontrolle der Proteinfaltung
  • Fehlgefaltete Proteine Proteine Proteine und Peptide werden normalerweise proteolytisch abgebaut.
  • Reaktion auf fehlgefaltete Proteine Proteine Proteine und Peptide:
    • Identifizierung fehlgefalteter Proteine Proteine Proteine und Peptide über Signaltransduktionswege
    • ↑ Chaperone, ↓ Proteintranslation und ↑ Abbau von fehlgefalteten Proteinen
  • Schädliche Reize:
    • Genetische Anomalien / Mutationen
    • Ischämie / Hypoxie
    • Virusinfektionen

Folgen von Stress im ER

Endoplasmatisches Retikulum (ER)

Endoplasmatisches Retikulum (ER)
Chaperone kontrollieren die Proteinfaltung im ER. Fehlgefaltete Proteine werden normalerweise proteolytisch abgebaut. Bei Akkumulation fehlgefalteter Proteine kommt es zu einer ungefalteten Protein-Antwort (erhöhte Chaperone, verringerte Proteinbiosynthese und verstärkter Abbau von fehlgefalteten Proteinen).
Stress im ER: Bei hohem Bedarf an Proteinfaltung (übermäßig viele fehlgefaltete Proteine), wird die Proteinfaltungskapazität überschritten. Das führt zur Apoptose.

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Zellschäden durch oxidativen Stress

Freie Radikale

  • Moleküle mit einem einzelnen ungepaarten Elektron in der Atomhülle
  • Hochreaktiv: Angriff benachbarter Moleküle ( Proteine Proteine Proteine und Peptide, Kohlenhydrate Kohlenhydrate Chemie der Kohlenhydrate, Nukleinsäuren Nukleinsäuren Nukleinsäuren)
  • ROS: ein von Sauerstoff abgeleitetes freies Radikal
  • Wichtige freie Radikale:
    • Superoxidanion (O2)
    • Wasserstoffperoxid (H₂O₂)
    • Hydroxylradikal (OH): reaktivste ROS
    • Peroxynitrit (ONOO⁻)
  • Schädliche Reize:
    • Ischämie-Reperfusionsschaden
    • Chemische Noxen und Strahlung
    • Alterungsprozesse
    • Phagozytose von Mikroben

Oxidativer Stress

  • Akkumulation von ROS → oxidativer Stress:
    • Erhöhte Bildung freier Radikale
    • Verringerte Eliminierung von ROS
  • Bildung freier Radikale:
    • Redoxreaktionen:
      • Reduktion von O₂ durch Elektronenübertragung auf H₂ → Bildung von Wassermolekülen
      • Teilweise reduzierte Zwischenprodukte → freie Radikale
    • Exposition gegenüber ionisierender Strahlung und UV-Strahlung
    • Polymorphkernige Neutrophile Neutrophile Zellen des angeborenen Immunsystems produzieren während einer Entzündungsreaktion freie Radikale.
    • Metabolismus exogener Chemikalien (z. B. Tetrachlorkohlenstoff)
    • Reaktionen mit Übergangsmetallen (z. B. Eisen Eisen Spurenelemente oder Kupfer Kupfer Spurenelemente)
    • Stickstoffmonoxid-Reaktion (mit Superoxid) in Makrophagen Makrophagen Zellen des angeborenen Immunsystems → Bildung des freien Radikals Peroxynitrit (ONOO⁻)

Folgen von oxidativem Stress

  • Membranschädigung durch Lipidperoxidation:
  • DNA-Schäden oder DNA-Fragmentierung
  • Oxidative Modifikation von Proteinen: ↑ Proteinvernetzung führt zu ↑ Abbau und ↓ Aktivität

Antioxidantien

  • Schutz gegen freie Radikale (ROS-Fänger)
  • Eliminierung von ROS, die während der mitochondrialen Atmung und Energiegewinnung gebildet werden
  • Es kann eine geringe Menge an freien Radikalen vorhanden sein, die jedoch keinen Schaden verursachen können.
  • Nicht-enzymatisch:
  • Enzymatisch:
    • Glutathionperoxidase: Abbau von Hydroxylradikalen
    • Superoxiddismutase (SOD): Umwandlung von Superoxid in Wasserstoffperoxid (H₂O₂)
    • Katalase: Abbau von H₂O₂
Oxidativer Stress verursacht Zellschäden

Oxidativer Stress verursacht Zellschäden durch Lipidperoxidation von Membranen, oxidative Modifikation von Proteinen und DNA-Schäden.

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Zelltod durch Apoptose

Programmierter Zelltod (Apoptose)

Apoptose unter verschiedenen Bedingungen

  • Physiologisch:
  • Pathologisch:
    • DNA-Schädigung: Apoptose verhindert das Überleben von Zellen mit DNA-Mutationen (Schutzwirkung).
    • Apoptose fehlgefalteter Proteine Proteine Proteine und Peptide
    • Duktale Obstruktion (z. B. Niere, Ohrspeicheldrüse): Atrophie durch Apoptose
    • Infektionen (insbesondere Viruserkrankungen): Induktion von Apoptose durch zytotoxische T-Lymphozyten zur Elimination infizierter Zellen

Mechanismen der Apoptose

Caspasen:

  • Cystein-Aspartat-spezifische Proteasen
  • Inaktive Form → Aktivierung durch limitierte Proteolyse
  • Aktive Caspasen: Marker für apoptotische Zellen
  • Phasen der Apoptose:
    • Initiation: Aktivierung von Caspasen → Caspase-Kaskade
      • Intrinsischer Weg
      • Extrinsischer Weg
    • Ausführung: Effektorcaspasen → zelluläre Fragmentierung

Intrinsischer Weg (Initiation):

  • Mitochondrialer Weg
  • In lebensfähigen Zellen reduzieren Wachstumsfaktoren und Überlebenssignale die mitochondriale Freisetzung von Cytochrom c ins Zytosol Zytosol Die Zelle: Zytosol und Zytoskelett, indem sie anti-apoptotische Proteine Proteine Proteine und Peptide produzieren:
    • BCL2
    • BCL-XL
    • MCL-1
  • In geschädigten Zellen kommt es zu einem Verlust von Überlebenssignalen, DNA-Schäden, Proteinfehlfaltung:
  • Ablauf:
    • Permeabilitätserhöhung der äußeren mitochondrialen Membran → Freisetzung von Cytochrom c in das Zytoplasma
    • Einleitung der Apoptose durch Cytochrom c
    • Bindung von Cytochrom c an den Apoptose-aktivierenden Faktor-1 (APAF-1) und Bildung des Apoptosoms
    • Das Apoptosom induziert die Selbstspaltung und Aktivierung von Caspase-9 (Initiatorcaspase).
    • Aktivierte Caspase-9 → Kaskade von Effektorcaspasen

Extrinsischer Weg (Initiation):

  • Initiation über den Todesrezeptor
  • Todesrezeptoren:
    • Mitglieder der TNF-Rezeptor-Familie ( Tumornekrosefaktor Tumornekrosefaktor Tumornekrosefaktor (TNF)) mit einer zytoplasmatischen Death-Domäne (apoptotische Signaltransduktion)
    • Wichtige Todesrezeptoren:
      • TNF-Rezeptor Typ 1 (TNFR1)
      • Fas (CD95)
  • Ablauf:
    • FasL (Fas-Ligand auf zytotoxischen T Zellen) bindet an Fas → Apoptosesignal
    • Konformationsänderung ermöglicht Bindung mehrerer Fas-Moleküle, die sich zur Fas-associating Death Domain (FADD) zusammenlagern.
    • Bindung der Pro-Caspase-8 an FADD
    • Aktivierung der Caspase-8 (oder Caspase-10) → Aktivierung von Effektorcaspasen

Ausführungsphase:

  • Beide Wege verbinden sich in der Ausführungsphase der Apoptose zu einem gemeinsamen Weg.
  • Ablauf:
    • Sequentielle Aktivierung von Effektorcaspasen
    • Spaltung des Inhibitors der Desoxyribonuklease (DNase) → aktive DNase → nukleäre Proteolyse und Fragmentierung
    • Abbau von Zytoskelett-Proteinen
    • Zellfragmentierung → zytoplasmatische Blasenbildung → Bildung von Apoptosekörpern
    • Phagozytose der Apoptosekörper durch Makrophagen Makrophagen Zellen des angeborenen Immunsystems
  • Efferozytose:
    • Phagozytose der apoptotischen Zellen
    • Schnelle Clearance mit reduzierter Produktion von proinflammatorischen Zytokinen → keine oder nur minimale Entzündungsreaktion
Apoptotischer Weg

Intrinsischer und extrinsischer apoptotischer Weg:
Der intrinsische Weg beginnt mit der Freisetzung von Cytochrom c und aktiviert schließlich Caspase 9. Der extrinsische Weg beginnt mit der Aktivierung von Fas (Todesrezeptor), was zu einer aktiven Caspase 8 oder 10 führt. Diese Caspasen durchlaufen die Ausführungsphase und bilden schließlich Apoptosekörper, die phagozytiert werden.

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Klinische Relevanz

  • Tumorsuppressorgene:
    • Verhinderung der unkontrollierten Zellproliferation durch Stimulation der Apoptose
    • Inaktivierung → maligne Neoplasien
  • Follikuläres Lymphom:
    • Assoziiert mit einer chromosomalen Translokationen mit Beteiligung des BCL2-Gens
    • BCL2 -Überexpression
    • Erhöhte anti-apoptotische Wirkung → Expansion entarteter Zellen

Zelltod durch Nekrose

Prozess der Nekrose

  • Unkontrollierter Zelltod nach irreversibler Zellschädigung:
    • Freisetzung des Zellinhalts in den extrazellulären Raum
    • Auslösung einer Entzündungsreaktion → Wanderung von Leukozyten an den Ort der Nekrose
  • Klinische Relevanz (Tests auf gewebespezifische Schädigung identifizieren zirkulierende intrazelluläre Inhalte):
    • Troponin: aus geschädigten Kardiomyozyten
    • Alkalische Phosphatase: aus Gallengangsepithelzellen
    • Transaminasen: aus Hepatozyten Hepatozyten Leber

Zelluläre Veränderungen

  • Zytoplasmatische Veränderungen:
  • Veränderungen des Zellkerns (eines der drei folgenden Muster):
    • Karyolyse: reduzierte Basophilie durch DNA-Verlust (Wirkung der DNAse)
    • Pyknose: Kernschrumpfung und erhöhte Basophilie (Kondensation von Chromatin zu einer dichten basophilen Masse)
    • Karyorrhexis: Fragmentierung des Kerns
Tabelle: Nekrose und Apoptose
Merkmale der Nekrose Merkmale der Apoptose
Zellgröße Vergrößert (Schwellung) Reduziert (Schrumpfung)
Kern Pyknose, Karyorrhexis, Karyolyse Fragmentierung in nukleosomgroße Fragmente
Plasmamembran Durchlässig Intakt, aber strukturell verändert (Ausrichtung der Lipide Lipide Fettsäuren und Lipide)
Zellinhalt Enzymatische Verdauung Verdauung Digestion und Resorption oder Freisetzung in den extrazellulären Raum Intakt; Freisetzung in die Apoptosekörper
Entzündungsreaktion Häufig Keine
Physiologische oder pathologische Rolle Pathologisch (Folge irreversibler Zellschädigung) Physiologisch: Elimination unerwünschter Zellen
Pathologisch: Zellschädigung durch DNA- und Proteinschäden

Nekroseformen

Koagulationsnekrose:

  • Zellumrisse und Gewebearchitektur bleiben für mehrere Tage erhalten.
  • Die Reststabilität ist auf die Denaturierung von Proteinen, auch von Enzymen, zurückzuführen, die die Autolyse verhindert.
  • Abbau der Zellen durch Leukozyten
  • Bei Ischämie oder hypoxischen Zellschäden
  • Infarkt: lokalisierter Bereich mit Koagulationsnekrose
  • Koagulationsnekrosen treten z. B. bei Myokardinfarkten und Niereninfarkten auf.

Kolliquationsnekrose:

  • Verflüssigende Nekrose
  • Verflüssigung und Verdauung Verdauung Digestion und Resorption des Gewebes durch lysosomale Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme
  • Bei bakteriellen Infektionen und Pilzinfektionen, die Leukozyten und die Freisetzung hydrolytischer Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme stimulieren
  • Eiter: gelbliches nekrotisches Material
  • Die Kolliquationsnekrose tritt z. B. bei hypoxischen Zellschäden im zentralen Nervensystems auf.
  • Koagulationsnekrose und Kolliquationsnekrose können gemeinsam auftreten.
  • Beschädigte Kardiomyozyten unterliegen einer Koagulationsnekrose. Nach Einwanderung von Leukozyten und Freisetzung von Enzymen, kommt es zu einer Kolliquationsnekrose.

Verkäsende Nekrose:

  • Käsige Nekrose: „käseartig“
  • Zellfragmente und Zelltrümmer umgeben von einer granulomatösen Entzündung Entzündung Entzündung: Granulom
  • Verkäsende Nekrosen treten z. B. bei Tuberkulose Tuberkulose Tuberkulose und einigen Pilzinfektionen auf.
  • Mykolsäure aus der Zellwand von Mykobakterien induziert die Bildung von Granulomen.

Fettgewebsnekrose:

Fibrinoide Nekrose:

  • Mikroskopische Veränderungen
  • Ablagerung von Immunkomplexen und Plasmaproteinen in Gefäßwänden
  • Fibrinoid: Zerstörung der Kollagene lässt diese lichtmikroskopisch wie Fibrin erscheinen (homogene Rosafärbung in der HE-Färbung)

Gangränöse Nekrose:

  • Klinische Beschreibung für nekrotische Veränderungen einer Extremität aufgrund anhaltender Ischämie
  • Koagulationsnekrose mehrerer Gewebeschichten (trockene Gangrän)
  • Kolliquationsnnekrose bei bakterieller Infektion durch Enzyme Enzyme Grundlagen der Enzyme aus Bakterien und Leukozyten (feuchte Gangrän)

Dystrophische Verkalkung:

  • Nekrotische Zellen werden durch enzymatische Verdauung Verdauung Digestion und Resorption und Phagozytose eliminiert.
  • Bei unzureichender Resorption und Elimination nekrotischer Zellen kann es zur Calcium- und Mineralablagerung kommen.

Weitere zelluläre Mechanismen

Nekroptose

  • Programmierte Form der Nekrose
  • Caspase-unabhängiger Zelltod
  • Ähnelt morphologisch der Nekrose, wird aber wie die Apoptose durch eine Signalkaskade initiiert
  • Klinische Relevanz:
    • Physiologisch: Wachstumsfuge von Säugetieren
    • Pathologisch: Steatohepatitis, Parkinson-Krankheit

Pyroptose

  • Apoptose mit Freisetzung von IL-1 (Interleukin-1: Fieber Fieber Fieber auslösendes Zytokin Zytokin Erworbene Immunantwort)
  • Der Apoptoseweg löst eine Entzündungsreaktion aus.
  • Klinische Relevanz: Absterben von durch Mikroben infizierten Zellen

Ferroptose

  • Eisenabhängige Form des programmierten Zelltods, die durch Lipidperoxidation gekennzeichnet ist
  • Verlust der Membranpermeabilität (Ruptur der Mitochondrienmembran)
  • Tritt bei übermäßigem Eisenangebot oder ROS und gleichzeitiger Dysfunktion Glutathion-abhängiger antioxidativer Systeme auf
  • Klinische Relevanz: Krebs, neurodegenerative Erkrankungen, Schlaganfall

Autophagie

  • „Auto“: selbst; „phagie“: essen → Selbstverdauung der Zelle
  • Überlebensmechanismus bei Nährstoffmangel, z. B. in atrophischen Zellen
  • Auslösung des Zelltods, wenn der Stress nicht bewältigt werden kann
  • Mechanismus:
    • Bildung eines Phagophors (Membranansammlung, die vom ER oder Mitochondrien abgeleitet wird)
    • Aufnahme von Organellen Organellen Die Zelle: Organellen in das Phagophor, aus dem sich das Autophagosom bildet
    • Verschmelzung des reifen Autophagosoms mit einem Lysosom (Autophagolysosom) → Abbau des Zellinhalts
  • Klinische Relevanz:
    • Krebs
    • Neurodegenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimerkrankheit)
    • Infektionskrankheiten
    • Entzündliche Darmerkrankung
Schematische Darstellung der Schritte der Autophagie

Schematische Darstellung des Ablaufs der Autophagie
1. Bildung des Phagophors (Membrananhäufung).
2. Expansion des Phagophors zu einem Autophagosom.
3. Fusion des Autophagosoms mit einem Lysosom unter Bildung eines Autophagolysosoms.
4. Zellinhalt wird im Autophagolyosom abgebaut und recycelt.

Bild von Lecturio.

Quellen

  1. Adigun, R., Basit, H., Murray, J. (2020). Cell liquefactive necrosis. StatPerlen. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK430935/#!po=1.85185
  2. Kemp WL, Burns DK, Brown TG (Hrsg.) (2008). Cellular pathology. Pathology: The Big Picture. McGraw-Hügel.
  3. Lin, J., Walter, P., Benedict Yen, T. (2008). Endoplasmic reticulum stress in Disease Pathogenesis. Annual Rev Patho 3, 399–425. https//:doi.org/10.1146/annurev.pathmechdis.3.121806.151434
  4. Kumar V, Abbas A, Aster J, Robbins, S. Robbins und Cotran (Hrsg.) (2020). Pathologic Basis of Disease (10. Aufl.). Elsevier, Inc.

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