Gehaltserhöhung 2027: Der Median erzählt nur die halbe Geschichte
Auf den ersten Blick wirkt das Bild stabil. 2026 stiegen die Gehälter laut WTW im Median um 3,1 Prozent, für 2027 sind 3,2 Prozent geplant. Bei einer Inflationsrate von 2,9 Prozent im August 2026 bleibt real nur ein Plus von rund 0,2 Prozent. Zudem geben 41 Prozent der Unternehmen an, dass ihr tatsächliches Budget 2026 unter der eigenen Planung lag.
Aufschlussreicher ist die Verteilung. 63 Prozent der befragten Unternehmen passen ihre Gehaltsbudgets individuell an. Die Unterschiede sind deutlich: Beschäftigte mit der besten Leistungsbewertung erhielten 2026 im Schnitt 5,2 Prozent mehr Gehalt. Durchschnittlich bewertete Beschäftigte kamen auf 2,7 Prozent, unterdurchschnittlich Bewertete auf 1,3 Prozent. Top-Performer erhalten damit rund viermal so viel wie die am schwächsten bewerteten Beschäftigten.
Die Beratungsgesellschaft WTW nennt drei Kriterien, nach denen Unternehmen differenzieren: die individuelle Leistung, die Funktion und die strategische Bedeutung der Rolle. Bemerkenswert ist, was kaum ins Gewicht fällt. Zwischen Führungskräften, Fachkräften und Produktionsbeschäftigten unterscheiden sich die Erhöhungen laut Studie nur marginal. Nicht die Hierarchiestufe entscheidet, sondern der Beitrag zum Geschäftserfolg.
Für HR heißt das: Gehaltsentscheidungen brauchen nachvollziehbare Kriterien. Wer differenziert, muss begründen können, warum. Und wer Leistungsträger halten will, kann sich die Gießkanne kaum noch leisten.
Der KI-Faktor: Was KI-Kompetenz am Arbeitsmarkt wert ist
Wenn Leistung und strategische Relevanz das Gehalt bestimmen, rückt eine Frage in den Fokus: Welche Kompetenzen machen eine Rolle wertvoller? Das AI Jobs Barometer 2026 der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC liefert dazu Hinweise. Die Studie wertet mehr als eine Milliarde Stellenanzeigen aus 27 Ländern aus. Für Deutschland zeigt sie, dass KI-Kompetenzen in den meisten Sektoren mit deutlichen Lohnaufschlägen einhergehen. In vielen Branchen liegen sie über 20 Prozent, in Energie, Versorgung und Rohstoffen bei bis zu 39 Prozent.
Die Daten haben Grenzen, die man kennen sollte. Sie beruhen auf Stellenanzeigen und beschreiben einen Zusammenhang am Markt, keinen Automatismus. Zudem gibt es eine auffällige Ausnahme. Im Finanzsektor liegt die Lohnprämie bei minus 9 Prozent, obwohl dort fast alle KI-bezogenen Stellen Anwenderrollen sind. PwC hält es für möglich, dass KI-Kompetenz dort bereits als Grundvoraussetzung gilt. Das ist auch ein Ausblick auf andere Branchen: Was heute einen Vorsprung verschafft, kann morgen Standard sein.
Ein weiterer Befund ist für Personalverantwortliche besonders relevant. Eigentlich wäre zu erwarten, dass sich die Anforderungen in einem Beruf umso stärker verändern, je mehr KI ihn betrifft. Weltweit ist das der Fall. In Deutschland dagegen kaum: Berufe, die stark von KI betroffen sind, unterscheiden sich bei den geforderten Kompetenzen bisher kaum von anderen. Viele Unternehmen haben ihre Anforderungsprofile also noch nicht an den Einsatz von KI angepasst. KI ist im Arbeitsalltag angekommen, der gezielte Kompetenzaufbau hinkt noch hinterher. Diese Lücke ist für Unternehmen eine Chance.
Was Unternehmen jetzt tun können
Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Ansatz: Kompetenzaufbau gehört in die Vergütungs- und Bindungsstrategie. Wer Budgets nach Leistung und Rollenrelevanz verteilt, sollte Mitarbeitenden auch die Möglichkeit geben, beides zu steigern.
Ein sinnvoller erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme. Welche Rollen nutzen KI bereits, welche werden es bald tun, und wo fehlen Grundlagen? Darauf aufbauend lassen sich Lernpfade festlegen, vom sicheren Basiswissen für alle bis zur Vertiefung für Schlüsselrollen. Für diese Rollen lohnt es sich, Kompetenzziele direkt in die Rollenprofile aufzunehmen. Wichtig ist, Weiterbildung mit Zielvereinbarungen und Entwicklungsgesprächen zu verknüpfen. So wird sichtbar, wie neue Kompetenzen in die Leistung einfließen und in die nächste Gehaltsrunde.
Auch regulatorisch ist das Thema gesetzt. Artikel 4 der EU-KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen seit Februar 2025, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu sorgen. Wer gezielt schult, erfüllt also eine Pflicht und stärkt zugleich die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Gerade bei knappen Budgets ist Weiterbildung zudem ein Signal: Das Unternehmen investiert in die Entwicklung seiner Mitarbeitenden, nicht nur in den Status quo.
KI-Kompetenzen gezielt aufbauen mit den Kursen von Lecturio
Lecturio unterstützt Unternehmen dabei, KI-Kompetenzen in der gesamten Belegschaft aufzubauen. Das KI-Training von Lecturio bündelt Grundlagen und Praxisschulungen in einem Programm für Mitarbeitende und Führungskräfte.
Der erste Baustein ist die Pflichtunterweisung nach Artikel 4 der KI-Verordnung. Sie schafft eine gemeinsame Basis im ganzen Unternehmen: Chancen und Risiken von KI, rechtliche Vorgaben und ein verantwortungsvoller Umgang mit KI-Systemen.
Der zweite Baustein setzt dort an, wo sich Leistung im Alltag zeigt. Praxisnahe Schulungen vermitteln den sicheren Einsatz von Tools wie ChatGPT, Claude oder Copilot anhand konkreter Fallbeispiele. So wird aus Grundwissen anwendbare Kompetenz.
Beide Bausteine stehen als kompakte Online-Videokurse zur Verfügung. Beschäftigte lernen flexibel und ohne lange Präsenztermine. Die Pakete lassen sich individuell nach Level, Abteilung und Ziel zusammenstellen. Fehlen unternehmensspezifische Inhalte, produziert Lecturio diese zusätzlich.
Wie sich ein solcher Lernpfad im eigenen Unternehmen aufbauen lässt, zeigt das Lecturio-Team gern in einer persönlichen Beratung.
Fazit
Die Gehaltserhöhung 2027 fällt moderat aus und wird zunehmend nach Leistung und Relevanz der Rolle verteilt. KI-Kompetenzen sind am Markt ein messbarer Faktor dafür, auch wenn der Zusammenhang je nach Branche unterschiedlich ausfällt. Unternehmen, die gezielt weiterbilden, schaffen die Grundlage für mehr Leistung und stärkere Bindung.
Quellen
- WTW, Salary Budget Planning Survey, Pressemitteilung vom 17.09.2026; https://www.personalwirtschaft.de/news/verguetung/gehaltserhoehung-2027-wtw-studie-besagt-leistung-entscheidet-209142/
- PwC Deutschland, AI Jobs Barometer 2026, Pressemitteilung vom 30.06.2026; https://www.pwc.de/de/pressemitteilungen/2026/pwc-studie-ki-erreicht-den-kern-des-deutschen-jobmarkts-treibt-den-skill-wandel-aber-noch-kaum.html